EDITORIAL
 
Mein ganz persönlicher 'Senf' - diesmal:
'Erst die Schritte!'

Das höre ich von Trainern und Schülern ziemlich oft. Gemeint ist damit im Grunde die Weigerung, sich um tänzerische Fertigkeiten zu bemühen, ehe man die gerade gelehrte oder gelernte Choreografie "kann".
Unter 'Können' wird dann das Vermögen verstanden, die Füße so zu setzen, dass die einzelnen Schritte in der richtigen Abfolge ausgeführt werden. Alles andere, der Anteil z.B. der Hüfte an der Gesamtbewegung solle, der "Einfachheit" halber, "zunächst" weggelassen werden.

Imho krankt die gesamte Didaktik im Line Dance genau an dieser "verdrehten" Perspektive.
Da wird erst Schritteschreiten geübt und Dutzende Schritteblätter auswendig gelernt, dann versucht jemand das Durcheinander durch Einführung von Oberbegriffen, z.B. dem der Motion, zu ordnen. Noch 'n Jahr später verrät man dann, wie sich die Elemente dieses Oberbegriffes doch unterscheiden und differenziert die Rhythmen aus. Ganz zum Schluss sagt man den Tänzern dann, dass sie sich aufrichten, den Blick heben und ihrem Tun, einen Ausdruck verleihen sollen, der zum Charakter des jeweiligen Tanzes passt.
Auf die Tour lernt man gewöhnlich nach frühestens drei, vier Jahren, dass das, was man tut z.B. ChaCha Tanzen ist. Die weniger Talentierten unter den solcherart Hingehaltenen glauben dann mittlerweile schon oft, sie würden schon seit Jahren gut Tanzen und man lüde ihnen mutwillig immer neue, überflüssige "Feinheiten" auf... .

Das gehört - wie im Ballroom Dancing seit Jahrhunderten üblich - herumgedreht und auf die klanglichen Füße gestellt.
Wir sagen den Anfängern, wie sie sich hinstellen und halten sollen. Das sie auf die Musik, ihr Tempo, ihre Betonung, ihren Aufbau hören und nicht 'bis Acht zählen sollen'. Wir zeigen, wie man als Tänzer sein Fahrwerk gebraucht und welche Rolle der Rest des Körpers dabei spielt. Und zwar schon bei der allerersten, allereinfachsten Figur, dem 'Step'.
Wenn er stehen und gehen kann, lassen wir ihn das im Rhythmus der Musik tun. Dabei lernt er die zu diesem speziellen Rhythmus passenden Bewegungselemente, Bewegungen, Schritte daraus erwachsen Figuren und es entwickeln sich Kombinationen und letztlich ganze Choreos.

Ich bin ganz und gar nicht der Meinung, dass "erst die Schritte" massenhaft aufeinander gehäuft werden und dann dieser Wust von Wildwuchs - möglichst kostenträchtig und per Lehrgang außerhalb des "Vereins" - in Jahren gelichtet, geordnet und korrigiert werden sollte.
Es scheint mir sehr viel zweckmäßiger seine Fertigkeiten von Anfang an, im normalen Training, geordnet und gepflegt aufzubauen!

See ya'll on the dancefloor
                              Georg Kiesewetter

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